Kein Schlagrahm, aber mehr als das
Désirée Eggli (Text)
und Nik Hunger (Fotos)
Wie
kommuniziert man ein Produkt, mit dem man so viel machen kann, dass man
am
Schluss kaum weiss, was es denn nun eigentlich ist? Emmi hat QimiQ schon 1998
auf den Schweizer Markt gebracht, aber der geschmacksneutrale Schlagrahm, der
keiner ist, hat den ultimativen Durchbruch noch nicht geschafft. Trotz
offensichtlicher Qualitäten.
Am
schönsten zeigt sich das Problem im Coop. Auf den QimiQ-Packungen steht zwar
laut und deutlich ‹ungekühlt haltbar›, aber die Viertelliter-Tetrapaks stehen
gleichwohl in den teuren Kühlvitrinen. Weil kein Mensch Rahm an einem andern Ort
sucht als in der Kühlvitrine. Und weil Rahm gekühlt wird,
basta.
QimiQ muss nicht gekühlt werden und ist trotzdem Rahm, auch
basta. Mindestens zu neunundneunzig Prozent. Das restliche Prozent besteht aus
jener Gelatine, die den nötigen Halt gibt. QimiQ kommt nämlich mit nur fünfzehn
Prozent Fett aus. Man könnte QimiQ also als Magerrahmbasis bezeichnen, wenn das
nicht so widersprüchlich tönen würde, dass man sich wieder nichts drunter
vorstellen kann. Darum liefert Herstellerin Emmi ein Informationsheft mit
Rezeptvorschlägen für die Gastronomie mit.
Die Rezeptheftli seien gut,
sagt Andreas Altorfer, Betriebsleiter und Küchenchef vom Meal&More, der
öffentlichen Betriebskantine der Gretag in Regensdorf: «Man kann sich dabei
inspirieren lassen. Jeder Betrieb kann die Rezepturen auf seine Küche abstimmen.
Aber es ist klar, die Gastronomen müssen sich damit auseinander
setzen.»
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Jürg Harlander: «Man kann damit optimieren» |
Giuseppe Paradiso: «Es braucht schon
Übung» |
Altorfer bietet jeden Mittag achthundert
Gästen ein Meal&More. Seit eineinhalb Jahren ist in der hellgelb und blau
gestyl-
ten Kantine der Teufel los, zum Free-Flow-Konzept gehören Marktstände
und Marktschreier. Für sechzehn Franken vierzig isst & trinkt man Hauptgang,
Getränk, Dessert und Kafi. Und QimiQ ist in der Showküche von Meal&More zu
einer tragenden Kompo-nente geworden. «Renner am Salatbuffet sind
Tortilla-Wraps: gefüllt mit einer Mischung aus QimiQ, Kräutern, Knoblauch,
Paprika, Salz&Pfeffer und dem hausgeräucherten Orkney-Lachs, gerollt und in
Streifen geschnitten», so Altorfer.
Heinz Rufibach vom Zermatterhof in
Zermatt zählt eine halbe Karte voller Speisen auf, bei denen er die Rahmbasis
einsetzt: «Crèmes, Mousses, Tortenfüllungen sind kein Problem, Salatsaucen,
Brotaufstriche, Ma-yonnaise. QimiQ verfeinert auch Suppen und Saucen und gerinnt
nie.» Der 14-Punkte-Koch benutzt das Produkt auch in Nudelgerichten und für
Aufläufe. «QimiQ kann ich problemlos aufkochen und wieder erwärmen».
Herstellerin Emmi konstatiert sogar, das robuste Basisprodukt ertrage im
Vergleich zum doch eher diffizilen Rahm einiges mehr an Säure, sei es Essig oder
Zitronensaft.
In Spitalküchen scheint man ebenfalls auf den Geschmack von
QimiQ gekommen zu sein. Jürg Harlander vom Kreisspital Männedorf: «Beim
Mahlzeitenschicken am Fliess-band kann es schon mal vorkommen, dass das Dessert
eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur steht, bis der Patient es isst oder sogar
selber noch einmal eine halbe Stunde stehen lässt. Proben zeigen, dass sie
deswegen immer noch hygienisch einwandfrei sind. Da hilft der tiefe Fettanteil
von QimiQ mit.»
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Pedro Alves, Pâtissier bei den Copains des
Alpes |
Gerade in Spitalküchen mit ihren speziellen
Anforderungen bezüglich Schonkost, Diäten und postoperativem Ernährungsaufbau
ist ein vielseitig einsetzbares, geschmacksneutrales und leichtes Basisprodukt
praktisch. Im Pflegeheim Rorschach sind die Fruchttorten die Nachmittagsrenner.
Verpflegungsleiter Giuseppe Paradiso: «Die Bisquitböden mit QimiQ unter die
Grundmasse gezogen und mit frischen Früchten belegt. Es gibt kein Fruchtwasser,
das die Kuchen verwässert. Das QimiQ schliesst den Saft ein, und der Schnitt ist
geometrisch exakt.» Paradiso gehört zum Kochteam der ‹Copains des Alpes› von
Captain Jürg Harlander. Beim letzten Contest in Österreich haben die Copains
Gold erkocht.
Man müsste meinen, ein Produkt mit solchen
Knüllerqualitäten sei in nullkommanichts der Star auf dem Markt. Falsch. Der
Koch und der Konsument denken in Kategorien, und ein irritierend neues Produkt,
das für fast alles einsetzbar ist und selber keinen Geschmack hat, lässt sich
kaum kategorisieren, also kaum profilieren, also kaum vermarkten. Heinz
Rufibach, dessen Erstbegegnung mit QimiQ ein Flop war, kann Unsicherheit oder
Irritation nachvollziehen. Darum empfiehlt er, bei den ersten Versuchen mit
QimiQ ganz genau nach Rezept zu kochen. Und kochen mit QimiQ heisst: Tetrapak
aufschneiden, QimiQ in eine Schüssel geben, mit Schneebesen oder Mixer crèmig
rühren, Zutaten beigeben – seien sie salzig oder süss – und abschmecken.
Konkret: Wenn ein traditionelles Caramelköpfli eine Dreiviertelstunde braucht,
dann macht der Crèmepâtissier mit der schnittfesten Rahmbasis dasselbe schnell
in der Cappuccinopause.
Ein Marketingflop für Emmi? Mitnichten. Das
QimiQ-Dessert-Rezeptbüchlein hat Emmi bei Annemarie Wildeisen, der
Chefredakteurin der Kochzeitschrift ‹D’Chuchi›, in Auftrag gegeben. Sie versteht
etwas vom Kochen. Und sie schreibt, sie und ihr Team hätten beim Kreieren und
Testen der Re-zepte realisiert, dass QimiQ nicht nur einfach in der Anwendung
sei («es entfällt zum Beispiel das lästige Hantieren mit der Gelatine»), sondern
sich ideal kombinieren lasse mit Joghurt, Quark und Früchten.
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Andreas Altorfer: «Auch ein hygienischer
Vorteil» |
Für die Anwendungen im süssen Bereich hat Emmi das
geschmacksneutrale QimiQ Basis mit QimiQ Vanille und einem Aufschlagpulver
ergänzt und dem Pulver den wunderschönen, aber auch nicht sehr vielsagenden
Namen QimiQ Volume gegeben. Das Pulver in Verbindung mit QimiQ Vanille könnte
man glatt als Vanillecrème durch-gehen lassen. Andreas Altorfer benutzt Volume
aber lieber als Grundlage für verschiedene Rezepturen.
Anfangs brauche
das Kochen mit dem ungewohnten Basisprodukt recht viel Übung, sagt Giuseppe
Paradiso. «Wenn die Leute unsicher sind, müsste Emmi halt allenfalls Seminare
für das Handling mit QimiQ durchführen.» Erst wenn ein eigentliches
Produkteverständnis existiert, kommt die praktische Umsetzung in der
professionellen Anwendung.
Die Copains Altorfer, Harlander und Paradiso
werden an der Igeho ausstellen. Ihre Objekte haben sie mit QimiQ optimiert.
Im Endprodukt bedeutet das beispielsweise: Crèmeschnitten bleiben stabil,
Rahmdekor-Rosetten verfärben sich nicht, es bildet sich keine Haut, Biskuitböden
weichen sich nicht auf, weil die aufdressierte Crème keine Flüssigkeit verliert,
die Objekte bleiben in der Ausstellung länger schön. Was die Copains ausstellen
werden: Ein Apfel-Gries-Flamérie. Ein Zander-Marbré mit Rüebli. Härdöpfel-Schaum
mit rotem Herzli. Und ein Waldbeeren-Honig-Mousse nach dem Rezept von
Copain-Pâtissier Pedro Alves.
Vielleicht ist der Markt dann langsam reif
für QimiQ.
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Frühlingsspaziergang Waldbeeren-Honig-Mousse im
Blätterteig-Hagelzucker-Körbli mit Pistazien halbgefrorenem und
frischem Waldbeerisalat
400 Gramm QimiQ 500 Gramm Magerquark 8 Zentiliter
Zitronensaft 110 Gramm Honig 8 Zentiliter Milch 20 Zentiliter
Schlagrahm 20 Gramm Vanillezucker 300 Gramm gemischte
Waldbeeren
QimiQ glattrühren, mit Quark, Zitronensaft, Honig und
Milch vermengen. Beeren pürieren, die Crème mischen. Geschlagenen Rahm
darunterziehen. Mit dem Dressiersack die Crème in gebackene
Blätterteigbödeli einfüllen. Garnieren. |
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Sommersüsses Apfel-Griess-Flamérie mit Honig- &
Zuckermelonenkugeln. Dazu Johannisbeerglacé-Türmli
350 Gramm QimiQ 300 Deziliter Apfelsaft 50 Gramm Griess 80
Gramm Zucker 15 Gramm Vanillezucker
Apfelsaft, Zucker und Vanillezucker aufkochen, Griess mitkochen.
QimiQ glattrühren, zum abgekühlten Griess geben. Mit Spritzsack in
Förmchen füllen, kaltstellen, stürzen.
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Wilde Alternative Zander-Marbré mit roten und gelben Rüebli,
Avocado-Mousse und frischer mexikanischer Gemüsesalat
400 Gramm QimiQ 400 Avocadopulpe 2 Deziliter Schlagrahm 1
Prise Gewürze, Mexicaine
QimiQ glattrühren. Avocadopürée dazugeben, untermengen,
abschmecken. Zum Verfeinern Schlagrahm darunterziehen. Klösschen
abstechen.
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Winterschlaf Kartoffel-Schaum mit Frühlingszwiebeln-Herz
gefüllt mit Rüeblipürée, im Rüeblimantel. Dazu Blattsalat mit Balsamico
200 Gramm QimiQ 600 Gramm Kartoffelstock 400 Gramm Quark 50
Gramm feingehackte Zwiebeln 100 Gramm
Rüebli Gewürze Frühlingslauch
QimiQ glattrühren mit Kartoffelstock vermischen. Quark, Gewürze und
Zwiebeln mischen. Rüeblistreifen blanchieren, in Form einlegen. Etwas
Rüebli pürieren und mit QimiQ vermengen, in die Lauchstengel einfüllen.
Kartoffelmasse in ausgelegte Form einspritzen, ausstreichen und Lauch als
Kern einbetten. Kaltstellen. Terrine stürzen, schneiden auf Teller
arrangieren. Garnieren mit Blattsalaten. |